An - ge - dacht
In seiner Abschiedspredigt erzählte Pfarrer Hacker davon, wie unsere Kirchen in Weißenbrunn und Hummendorf zu uns sprechen:
[...] denn sie sind nicht nur Gebäude aus Stein. Sie reden zu uns vom Glauben an den dreieinigen Gott, zu dessen Ehren sie einst errichtet worden sind.
Deshalb will ich heute, zum Abschied, noch einmal, unsere Kirche zu uns reden lassen unter dem Motto, das hier vorne über dem sogenannten Triumphbogen steht:

Lasst uns also unseren Rundgang beginnen:
Taufstein
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Hier vorne steht der Taufstein. 1582 steht darauf geschrieben. Seit 1954 steht der Taufstein in der Dr.-Martin-Luther-Kirche in Hummendorf. Hunderte, ja tausende von Säuglingen, manche Kinder und Jugendliche, sogar Erwachsene wurden hier getauft. Der Taufstein spricht zu uns: |
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Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir alle immer mehr zu Nummern werden – ohne Namen. Gott kennt dich und mich beim Namen. Er ruft uns bei unserem Namen.
„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jes. 43,1)
Viele von uns kennen das Gedicht von den „Spuren im Sand“. Man mag über die Naivität der Art schmunzeln, wie hier der Glaube beschrieben wird. Aber man kann nicht seine Aussage nicht leugnen.
Ich träumte eines Nachts,
ich ging am Meer entlang mit meinem Gott.
Und es entstand vor meinen Augen,
Streiflichtern gleich, mein Leben.
Nachdem das letzte Bild an uns
vorbeigeglitten war, sah ich zurück
und stellte fest,
dass in den schwersten Zeiten meines Lebens
nur eine Spur zu sehen war.
Das verwirrte mich sehr,
und ich wandte mich an meinen Gott:
„Als ich dir damals alles,
was ich hatte, mein ganzes Leben,
anvertraute, da sagtest du,
du würdest immer bei mir sein.
Warum hast du mich verlassen,
als ich dich am Nötigsten brauchte?“
Da nahm Gott meine Hand und sprach:
„Geliebtes Kind, nie ließ ich dich allein,
schon gar nicht in Zeiten der Angst und der Not.
Wo du nur ein Paar Spuren im Sand erkennst,
sei ganz gewiss: Da habe ich dich getragen!“
Gott, meine lieben Mitchristen, geht mit uns. Ja, wenn´s drauf ankommt, trägt ER uns durch Leid und Sorgen, durch Angst und Not.
„Von ihm sind alle Dinge.“
Dies sagt uns unser Taufstein. Und er fügt hinzu: „Gott möchte, dass du dein Taufgeschenk ein Leben lang im Glauben ergreifst und festhältst!“
Das geht nicht allein, dazu brauchen wir Hilfe.
Altar
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Er steht im Zentrum jeder Kirche; meist verbunden mit dem Kreuz, dem Zentrum und dem Symbol unseres christlichen Glaubens. Auch in unserer Dreieinigkeitskirche, dessen Altarblatt die Kreuzigungsszene zeigt. In Hummendorf beherrscht das überdimensionale Kreuz den ganzen Kirchenraum. Der Altar, der uns auf das Kreuzigungsgeschehen hinweist, sagt dir und mir: |
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Gottes Liebe zu uns, meine lieben Mitchristen, ist so unendlich groß, dass ER uns durch SEINE Gebote nicht nur davor bewahren will, uns und unseren Mitmenschen zu schaden. SEINE Liebe ist so groß, dass ER uns sogar SEINEN eigenen Sohn gegeben hat, damit die durch unsere Übertretung begangene Schuld gesühnt, vergeben und aus der Welt geschafft werden kann. Jesu Kreuz, das Zentrum der christlichen Botschaft, verbindet Erde und Himmel, überbrückt den tiefen Graben, durch den unsere Sünde uns von Gott trennt. Das Abendmahl am Altar sagt uns:
„Hier findet die privat Seelsorge Gottes an dir und mir statt. Hier darfst du ganz persönlich spüren, was wir an Weihnachten gesungen haben: Sehet doch da: Gott will so freundlich und nah zu den Verlornen sich kehren. Gott und der Sünder, die sollen zu Freunden nun werden (EG 41,1+2)“
Deshalb: Nutzen wir die Chance zum Neubeginn! Lasst euch immer wieder einladen an den Tisch des Herrn! Denn
„... durch ihn sind alle Dinge“
Himmel / Bemalte Holztonne
Liebe Mitchristen! Ich verrate euch heute ein Geheimnis. Manchmal, wenn ich im Sommer in die Dreieinigkeitskirche gegangen bin, um etwa die Lieder für den Gottesdienst in die Sakristei zu legen, habe ich mich in der Mitte des Ganges auf den Boden gelegt, um die wunderbare Decke genau betrachten zu können. Manchmal braucht es so einen Perspektivenwechsel – auch im persönlichen Leben und in der kirchlichen Verkündigung.
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Eine Kirche und eine Gesellschaft, die sich nur horizontal ausrichtet, die nur noch das Menschliche sieht, die verarmt und verkümmert sehr schnell. Wer die Verbindung nach oben abreißen lässt, wer seinen Blick nicht mehr nach oben richtet, sondern nur alles vom menschlich-möglichen erwartet und erhofft, der wird bald enttäuscht werden. |
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Der Tod, der größte Feind von uns Menschen, ist besiegt.
Und mit ihm alle Mächte der Finsternis, die uns das Leben schwer machen und uns niederdrücken wollen.
Wie gesagt: manchmal braucht es eben einen Perspektivenwechsel, damit wir mitten in unserem Alltag dies nie vergessen: Wir Christen haben eine Hoffnung über den Tod hinaus. Wir brauchen nicht durch das Leben zu hetzen, aus Sorge etwas darin zu verpassen. Wir müssen nicht alles in dieses Leben hineinpacken, weil irgendwann alles vorbei ist. Unser Leben hier unten hat kein Ende, sondern ein Ziel: Gottes Ewigkeit.
„Zu ihm sind alle Dinge.“
Und noch etwas sagt uns unser Deckenbild: „Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß. Aller Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muss.“ ( EG 123,1 )
Jesus Christus sitzt im Regimente. Wie es der frühere Bundespräsident Gustav Heinemann einmal treffend auf dem Punkt brachte: „Die Herren dieser Welt – ob Nero oder Napoléon, Hitler oder Stalin, Mao oder Honecker – die Herren dieser Welt kommen und gehen. Unser Herr kommt!“
Und dass lässt mich gelassener werden. Und das schenkt mir auch meinen Humor – für mich die schönste Gabe des Glaubens. Denn nur wer über den Dingen steht, der kann sie auch getrost belächeln.
Meine liebe Gemeinde! Viele Dinge könnten uns unsere Kirchen noch erzählen und uns helfen, unser Christsein im Alltag zu bestehen. Unsere Orgel etwa, die uns darin erinnert, dass Gott sich gerne das Lob SEINER Geschöpfe gefallen lässt, dass ER gerne hört „Gesang und Saitenspiel“, wie Martin Luther sagt. Und ich war froh und dankbar, in zwei singenden und musizierenden Gemeinden Pfarrer zu sein.
Oder die Kanzel, die ein redendes Zeugnis des Glaubens an den dreieinigen Gott darstellt. Unten Mose mit den Zehn Geboten (Der Arme hat mein ansteigendes Gewicht all die Jahre ohne Klagen getragen), der uns daran erinnert:
Ich glaube an Gott, den Vater, der mich geschaffen hat.
Darüber der Kanzelkorb, seit 1997 wieder geschmückt mit den Ölgemälden der Evangelisten, die uns auf Jesus Christus hinweisen, auf das Evangelium, die Frohe Botschaft von der Liebe Gottes zu uns Menschen, und die uns sagen:
Ich glaube an Gott, den Sohn, der mich erlöst hat.
Und darüber der Schalldeckel mit der Taube als Symbol für den Heiligen Geist, der Prediger und Gemeinde darauf hinweist, dass hier nicht Menschenwort, sondern Gotteswort verkündet werden soll, und uns dran erinnert:
Ich glaube an Gott, den Heiligen Geist, der mich heilig macht.
Das alles und noch viel mehr durfte ich euch in all den Jahren in der Dreieinigkeitskirche und in der Dr.-Martin-Luther-Kirche verkünden.
Ja, Gott sei Dank, mir ham des
ja alles und viel mehr,
und wall ma des su schätzen,
drum gebm mers nimmer her.
Wir preisen Gott den Vater,
der uns su reich bedocht,
und uns in Jesus Christus
des Leben hod gebrocht.
Wir preisen den Erlöser
und a den Heilgen Geist,
der uns zu Christi Kirche
stets neu zusammenschweißt.
Was Gott hier schenkt, is mehr wert,
wie alles andre Zeich.
ER macht uns hier im Leben,
er macht uns ewig reich.
Meine lieben Weißenbrunner und Hummendorfer,
ich bitte euch von ganzem Herzen:
Liebt eure Gotteshäuser und den Gottesdienst weiterhin,
hört zu und lebt euren Glauben.
Denn das allerschönste Kunstwerk und Zierde der Kirche, das seid ihr selber:
Eine hörende und handelnde Gemeinde.
„Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen!“







